Gestaltung von Reisefilmen

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  • Gestaltung von Reisefilmen

    Hallo,

    der typische Reisefilm läuft meistens nach dem gleichen Schema ab. Irgendwelche Leute fahren irgendwo hin und schauen sich dort etwas an. Manchmal - besonders bei Reisezielen in der dritten Welt - wird noch eine Prise Sozialkritik dazugefügt und fertig ist das Opus. Ich muss gestehen, dass die meisten meiner Reisefilme bisher ähnlich aussehen.

    Es interessiert mich daher sehr, welche anderen Gestaltungsmöglichkeiten es gibt, um ein interessantes Video zu machen.

    Zufällig bin ich auf das folgende Video gestoßen: vimeo.com/1021216
    Die Machart hat mich sehr beeindruckt. Künftig werde ich versuchen, ähnliche Wege zu gehen.
    Beim BDFA ist mit solchen Videos wahrscheinlich kein Blumentopf zu gewinnen.

    Was denkt Ihr? Welche Ansatzpunkte würdet Ihr bevorzugen?

    Viele Grüße
    Frank
  • Original von Jörg
    Ich denke gerade über den Sinn künstlich verwackelter Standbilder nach...
    habe mich auch für Kunst entschieden.

    "Künstlich" enthält ja auch "Kunst" :D :huahua:

    Ich hab den Clip nicht komplett zu Ende angesehen.
    Was mich extrem stört, sind die seeeeeehr langen weichen Blenden.
    Kann man machen, kommt mir hier aber zu oft.
    Insgesamt sagt mir der Clip (filmtechnisch) nicht wirklich viel.

    Welchen Ansatzpunkt bevorzuge ich? ... :gruebel:
    Eine Geschichte.
    Ich mag es, eine Geschichte zu erzählen oder Geschichten zu zeigen.
    Spontan fallen mir da Lianes Filme ein.
    Schön erzählte Geschichten mit spannenden Hintergrundinformationen kombinierte Bilder, die mich fesseln und interessiert zusehen und -hören lassen.

    Gerne suche ich nach "der anderen Geschichte".
    In Wien den Prater und in Paris den Eiffelturm zu filmen, .... nunja, ..aber "haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?" fragte schon Reinhard Fendrich.
    Wie sieht Paris wohl des Nachts aus den Augen einer Katze aus? :wink: (Ich denke da an entsprechend unterständige Perspektiven, kommentiert aus der Sicht der Katze, folgend dem Beispiel aus Felidae).
    Ein zoobesich aus der Sicht eines der oftmals freilaufenden Pfauen oder eines Flamingos, all sowas halt.
    Eine chinesische Stadt aus der Sicht einer Rikscha.
    Ein anderer Blick, eine neue Geschichte.
    Das muss nicht zwangsweise lustig sein. Ein afrikanisches Dorf aus der Sicht eines streunenden Hundes kann auch sehr kritisch und ernst aussehen, aber es schafft eine andere Sichtweise.
    Naja, .. spontane Ideen halt, während ich das hier schreibe.


    Der Haken: Viel Vorbereitungszeit und viel Zeit vor Ort, um so etwas zu realisieren.

    Realisierbar? Habs noch nicht ausprobiert, einmal etwas ähnliches über ein Geisterdorf auf Korfu, .... war aber mehr was anderes ... aber wenn wir mal wieder zum Reisen kommen, könnt ich mir vorstellen, sowas mal zu machen.

    Viele Grüße
    Marcus
    Kalorien sind die kleinen Tierchen, die im Kleiderschrank die Hosen enger machen. .

    Der Propeller eines Flugzeuges ist nichts weiter, als ein überdimensionaler Ventilator, der den Piloten im Fluge kühlt.
    Der Beweis: Hört der Prop auf zu drehen, fängt der Pilot an zu schwitzen
    .
    :pilot:
  • Hallo,

    gerade die langen weichen Überblendungen haben mir sehr gut gefallen (was nicht bedeutet, dass ich dies jetzt unbedingt nachmachen würde).
    Eher stört mich, dass er einige Einstellungen unnötigerweise wiederholt. Auch hätte ich mir einige Informationen über das gezeigte Gefängnis/Gedenkstätte/Museum (?) gewünscht. Schön, dass er an dieser Stelle völlig den Ton abgedreht hat. Das irritiert im positiven Sinn.

    Übrigens, ich glaube nicht, dass das Video künstlich verwackelte Standbilder enthält. Offensichtlich hat er die Fotos mit der Handkamera abgefilmt.

    Meine eigenen Ansatzpunkte kann ich noch nicht genau definieren. Eine Geschichte zu erzählen ist immer gut, es lässt sich nur nicht immer (besonders auf Reisen) verwirklichen. Wahrscheinlich werde ich mich dann spontan von den örtlichen Gegenheiten inspirieren lasssen. Schade, dass ich noch bis zur nächsten großen Urlaubsreise mehr als ein halbes Jahr warten muss :heul:

    Viele Grüße
    Frank
  • Also ich hab mir den Film angesehen und fand ihn anfangs auch gut.
    Aber je länger ich den angesehen habe, desto weniger fand ich Gefallen an den langen Überblendungen und Einstellungen.
    M.E. ist das auf Dauer sehr langweilig. Ob man sich solch einen Film über längere Zeit ansieht.
    Z.B. bei ca. 3min laufen ständig Personen vor der Kamera vorbei. Solche Einstellungen würde ich gar nicht zeigen wollen, die stören.

    Aber das ist eben Ansichtssache.

    Trotzdem gut, mal gesehen zu haben. Auch diese sehr lange Überblendung kann man ja mal verwenden.
    Gruß
    Udo :hallo:
    __________________________________________________________________________
    Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.
    (Hermann Hesse)
  • Das ist es, was ich meine, ... davon sind mir anfangs zu viele davon drin.

    Obwohl ich es nach dem zweiten Betrachten nicht mehr so stark negativ empfunden habe.
    An einigen Stellen, mit den großen Kinderaugen zum Beispiel, fand ich es passend.

    Was die Standbilder zum Ende des Films angeht, bin ich mir auch nicht sicher, ob es am Ort abgefilmte Bilder oder nachträglich verwackelte Standbilder sind.

    Alles in allem finde ich den Clip schon interessant.
    Sicher kein Reisefilm im klassischen Sinne, sondern eher eine kritische Betrachtung mit der Absicht, auf ein Land mit einer recht bewegten und harten Geschichte hinzuweisen.

    Viele Grüße
    Marcus
    Kalorien sind die kleinen Tierchen, die im Kleiderschrank die Hosen enger machen. .

    Der Propeller eines Flugzeuges ist nichts weiter, als ein überdimensionaler Ventilator, der den Piloten im Fluge kühlt.
    Der Beweis: Hört der Prop auf zu drehen, fängt der Pilot an zu schwitzen
    .
    :pilot:
  • ...- nein, gefällt mir nicht sonderlich:

    Wie hier schon geäußert, die langen Blenden sind oft schlimm, auch einzelne Clips in ihrer Länge und Aussagslosigkeit, wie z.B. die brennende Kerze mit den Schuhen am Anfang...-

    Es muß wohl was dran sein:"In der Kürze liegt die Würze!"

    Günter
    Günter
  • ... also, ich muß zugeben ich hatte nicht die Geduld mir das Video komplett anzuschauen. Obwohl schon sehr eindrucksvolle Szenen drinnen waren.

    Ich denke aber, das ist kein Reisefilm, sondern eine Kunstform die halt auf einer Reise entstanden ist. Mit viel Arbeit vor Ort und viel, viel, viel Arbeit dann im Studio.

    Man muß sich halt entscheiden, was man will:
    - Erinnerungen an eine Reise,
    - eine Reisereportage,
    - über ein Thema - hier eine Reise - sich künstlerisch auszubreiten.

    Ich für meinen Teil gebe mich mit Ersterem zufrieden. Gehe sogar soweit, dass ich viele Fotos einarbeite. Video nur dann, wenn sich vor der Kamera etwas interessantes bewegt.
    Damit erspare ich mir das Mitschleppen von viel Ausrüstung. (ein wirklich stabiles Stativ geht mir allerdings manchmal ab)

    Ich fotografiere/videoe weil ich reise. Ich reise aber nicht um zu fotografieren/videoen.

    Wenn ich aus der Ausbeute der Reise dann einen Film zusammenschneide, Kommentiere und mit Musik unterlege, habe ich mehr als genug zu tun.

    Aber jeder hat andere Prioritäten, ohne dass die eine oder andere besser wäre.

    Gruß
    Frank
  • Original von frankpat
    Mit viel Arbeit vor Ort und viel, viel, viel Arbeit dann im Studio

    :pfeif:
    Meinst Du das jetzt im Ernst?
    Oder hast Du nur vergessen ein Smiley zu setzen...
    Gruß Wiro
    Never approach a computer thinking this will only take 5 minutes
  • Ich denke aber, das ist kein Reisefilm, sondern eine Kunstform die halt auf einer Reise entstanden ist.



    ganz genau so empfinde ich es auch, das sind Einstellungen, die man auf jeder Videobasteleiaustellung, bis hin zur documenta seit Jahrzehnten sieht.
    Meist von Leuten, die ds Medium ganz anders sehen, als wir es uns hier vorstellen.
    Aus dieser Erfahrung habe ich mir auch bissige Kommentare dazu erspart.

    Das Werk mit Titel " Von Ghetto Straße, über den Markt direkt in den Knast"
    kann ich mir wundervoll als Diskussionsrundenauftakt im Bildungsbürger-
    TV oder Philanthropiezirkeln vorstellen.
    Über die Verweildauer am Schnittplatz...
  • Eine Kunstform?
    Im Hinterkopf habe ich die Ahnung, dass Kunst von Können kommt.
    So schön die Kinderaufnahmen am Anfang auch sein mögen, hier sind sie mir aufgesetzt, sie jubeln dem Kameramann zu -warum?
    Die Marktscenen wiederholen sich fast ohne jede Bewegung.
    Die Frauengruppe ab Minute 3, es wurde schon angesprochen.
    Letztlich die Gefangenen - politisch oder kriminell, ich weiß es nicht und werde es nie erfahren.
    Ich will mal unterstellen, dass sich der Autor etwas dabei gedacht hat, es kommt aber leider nicht rüber.

    Gruß Wolfgang
  • Für die meisten ist eine Reisefilm der Film über eine Reise. Die Handlung bzw. der Bildablauf wird vom Reiseverlauf bestimmt. Oftmals machen sich die Leute nicht einmal Gedanken vorher, sondern lassen sich einfach von dem gesehenen inspirieren.
    Zu Hause wird dann sortiert und geschnitten, kaum mit Kommentar versehen aber Hintergrundmusik von vorn bis hinten. Das ist i.O. , soll dieses Dokument doch eine Erinnerung für den Produzenten und seine Familie sein. Alles andere geht darüber hinaus und wird nur, im Verhältnis gesehen, von wenigen genutzt weil es wesentlich mehr Arbeit macht.

    Ich stelle mir schon vorher die Frage, soll es nur ein Film werden ?Welche Themen greife ich auf um mehrere Filme innerhalb einer Reise zu gestalten.
    Sind es mehrere Orte z.B., erhält jeder Ort ( Städte/ Landschaftliche Gebiete u.ä. ) einen eigenen Film. Gibt es Verbindungen zwischen den Orten z.B. Bauwerke oder deren Architekten u.ä. kann daraus auch mal schnell nur ein Film entstehen. Oft sind wir in den Bergen unterwegs, wenn da eine 2000er Tour gefilmt wird, die ohne Kamera in 8 h erledigt ist, brauch ich mit Kamera gute 12 Stunden. Nun kann man nicht jede Bergtour gleich gestalten, das wird mit der Zeit langweilig. Ich überlege bereits im Vorfeld, was kann ich einbauen um ihn von anderen zu unterscheiden. Ja, manchmal kommen die Ideen auch am Berg und dann wird die vorgefertigte Idee nicht verworfen sondern die neue mit aufgenommen und zu Hause entgültig entschieden.

    Wichtig für mich, ein roter Faden muss erkennbar sein und da gibt es die verschiedensten Ansätze.

    Der oben verlinkte Film schafft es meiner Meinung nach nicht, ohne jeglichen Kommentar das rüber zu bringen, was evtl. beabsichtigt war. Die eingefügten Bilddateien, sind Fotos aus dem Vietnamkrieg. Die freudigen Kinderaugen, die Kerze und die Schuhe, der Arrestraum und die Bilder der Gefangenen könnte als Mahnung interpretiert werden aber reicht das aus ? Ich meine nein ! Der Ansatz ist nicht schlecht aber der Autor hat sich hier zu wenig Zeit gelassen um seine Idee, wenn es denn eine solche war, erfolgreich zu entwickeln.


    JUB
  • Ich habe ihn mir auch angesehen.
    Mir gefiel er nicht.
    Zuviel aufgesetzter Pathos. Der Gute hat 'ne Reise durch Kambodia gemacht, und die Lebensfreude, die ihm da begegnete hat ihn gefreut. Dann stand auch ein Besuch in einem "Strafcamp" o.Ä. an.
    Gut, hat er sich gesagt, hau'n wir das dazwischen und tun so, als wär's gewollt.
    Ich war auch in der Gegend, Singapur/Malaysia/Thailand/Vietnam/Burma. Aber sowas unreflektiertes hätte ich nichtmal nach 36 Stunden Schlafentzug hinbekommen.
    Ohne Kommentar ist da nix zu machen.

    MfG E.Z.
    "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" ( gelesen beim CCC )
  • Original von wlambda
    So schön die Kinderaufnahmen am Anfang auch sein mögen, hier sind sie mir aufgesetzt, sie jubeln dem Kameramann zu -warum?


    Dies ist mir in Asien schon öfters passiert. Sobald man in der Nähe von Kindergruppen mit einer Kamera hantiert, rennen die Kinder herbei und setzen sich in Pose. Kamerascheue Kinder (und auch Erwachsene) habe ich dort bisher selten erlebt - anders als hier in Europa.

    Ein wenig merkwürdig fand ich, warum im oben verlinkten Video nur von oben herab gefilmt wurde und die Kamera nicht auf Augenhöge mit den Kindern gegangen ist.

    Viele Grüße
    Frank

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von pronath ()

  • Zitat pronath:
    Zufällig bin ich auf das folgende Video gestoßen: vimeo.com/1021216
    Die Machart hat mich sehr beeindruckt. Künftig werde ich versuchen, ähnliche Wege zu gehen.


    Wie immer ist es Geschmackssache, aber ich möchte Dir davon abraten. Es fällt mir auch schwer, aneinander gereihte beliebig interpretierbare Szenen mit langatmigen Übergängen als Kunst zu betrachten. Ich sehe es eher als das Werk von jemandem an, der einfach mal ein bißchen probieren wollte.

    Ich gebe Jöörch und anderen Recht: lange kann die Erstellung nicht gedauert haben. Das allein sagt wenig aus, man kann auch in kurzer Zeit schöne Dinge schaffen, aber hier erkenne ich nicht, dass der Produzent sich überhaupt Mühe gegeben hat. Wenn man es durchgehalten hat, das Video bis zum Ende anzuschauen, fragt man sich, was einem die Bilder eigentlich sagen wollen.

    Aber es gibt so viele positive Beispiele über Urlaubsfilme, wenn man ein bißchen sucht.
    Viele Grüße,

    Hans-Joachim

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dr. Wahn ()

  • Original von Dr. Wahn
    Wie immer ist es Geschmackssache, aber ich möchte Dir davon abraten. Es fällt mir auch schwer, aneinander gereihte beliebig interpretierbare Szenen mit langatmigen Übergängen als Kunst zu betrachten. Ich sehe es eher als das Werk von jemandem an, der einfach mal ein bißchen probieren wollte.


    Na ja - lieber möchte ich etwas Neues ausprobieren, als immer nur Videos nach dem gleichen Schema zu machen, bei denen ich mich anschließend selber langweile.

    Ein weiteres interessantes Beispiel haben wir hier:
    vimeo.com/3087020

    Es gefällt mir ebenfalls recht gut, allerdings sind für meinen Geschmack zu viele Bahnfahrten drin.

    Viele Grüße
    Frank